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Über positive Nahtoderfahrungen wird viel gesprochen: Licht, Frieden, das Gefühl bedingungsloser Liebe. Was seltener zur Sprache kommt, sind die anderen Erfahrungen – die, in denen Menschen von Angst, Leere, Bedrohung oder Verzweiflung berichten.

Diese sogenannten negativen oder angstvollen Nahtoderfahrungen sind seltener dokumentiert, nicht weil sie kaum vorkommen, sondern weil viele Betroffene sich schämen, darüber zu sprechen. Genau dieses Schweigen macht es umso wichtiger, ihnen Raum zu geben.

Wie sich negative Nahtoderfahrungen zeigen können

Auch angstvolle Nahtoderfahrungen folgen, ähnlich wie die friedlichen, gewissen wiederkehrenden Mustern – nur mit umgekehrtem Vorzeichen:

  • Ein Gefühl von Leere oder Nichts, statt Licht und Geborgenheit – ein Zustand, der von Betroffenen oft als kalt und beängstigend beschrieben wird.
  • Bedrohliche oder verzerrte Umgebungen, etwa dunkle oder leere Räume, unheimliche Gestalten oder das Gefühl, verfolgt zu werden.
  • Intensive Verzweiflung oder Panik, teils begleitet vom Gefühl völliger Isolation.
  • Ein belastender Lebensrückblick, bei dem eigenes Verhalten nicht als verständnisvoll gespiegelt, sondern als beschämend oder verurteilend erlebt wird.
  • Das Gefühl, bestraft oder gefangen zu sein, ohne erkennbaren Ausweg.

Wichtig zu wissen: Diese Erfahrungen sagen nichts darüber aus, ob jemand ein „schlechter Mensch“ war oder eine „schlechte“ Zukunft erwartet.

Sie sind, wie die friedlichen Varianten auch, ein Ausdruck dessen, was ein Gehirn und eine Psyche unter extremem Stress erleben können.

Warum manche Nahtoderfahrungen angstvoll verlaufen

Forschende diskutieren mehrere mögliche Einflussfaktoren, ohne dass es bislang eine abschließende Erklärung gibt:

Der körperliche und psychische Ausgangszustand: Wer im Moment des Beinahe-Sterbens starke Angst, Widerstand oder Kontrollverlust erlebt, trägt diesen inneren Zustand offenbar mit in die Erfahrung hinein. Der Übergang selbst scheint stark davon geprägt zu sein, mit welcher inneren Haltung ein Mensch ihm begegnet.

Unverarbeitete Schuld- oder Schamgefühle: Menschen mit ungelösten inneren Konflikten – etwa starken Schuldgefühlen – berichten häufiger von belastenden Lebensrückblicken. Manche Fachleute vermuten, dass sich hier unbewusste seelische Prozesse widerspiegeln, die sonst kaum Raum zur Bearbeitung finden.

Neurobiologische Faktoren: Genau wie bei friedlichen Nahtoderfahrungen spielen wahrscheinlich auch hier Sauerstoffmangel, veränderte Hirnwellenmuster und Stresshormone eine Rolle – nur dass sich diese Vorgänge in manchen Fällen offenbar als bedrohlich statt als befreiend anfühlen.

Kulturelle und religiöse Prägung: Wer mit Vorstellungen von Strafe, Sünde oder Verdammnis aufgewachsen ist, könnte diese inneren Bilder unbewusst in die Erfahrung hineintragen – ähnlich wie friedliche Erfahrungen oft von individuellen Vorstellungen von Licht und Liebe geprägt sind.

Aus der Sicht eines Mediums

Die Frage nach der Wahrheit in Bezug auf das Jenseits ist, wie so oft, eine komplexere, als wir uns das vielleicht wünschen. Denn ebenso wie in unserer Realität nicht nur Fröhlichkeit und Gutes existieren, so können auch die Erfahrungen, die wir mit dem Jenseits machen, von Ambivalenz und Unsicherheit geprägt sein.

Das Jenseits ist nicht ein Ort. Es handelt sich um mehrere Dimensionen – ohne Grenzen, in unendlicher Ausführung. Die Art, wie wir unser Leben gelebt haben, wie wir sterben – das sind Parameter, die entscheiden, wie wir das Jenseits erfahren dürfen.

Nahtoderfahrungen sind dementsprechend Erfahrungen, die uns eine Botschaft vermitteln wollen: sowohl im Positiven wie auch im Negativen.

Leiden wir in unserer Wirklichkeit an starken negativen Gefühlen, wie Schuldgefühlen, Ängsten etc., ist dies ein Zustand, der Aufarbeitung benötigt. Erleben wir dann eine negative Nahtoderfahrung, kann die Botschaft nur lauten: Dieses Thema bedarf Aufmerksamkeit. Ob das Abbild unserer inneren Konflikte psychologisch oder spirituell erklärbar ist? Vielleicht beides.

Was danach hilft

Menschen, die eine angstvolle Nahtoderfahrung gemacht haben, berichten oft von einer doppelten Belastung: dem eigentlichen Erlebnis – und der Angst, damit auf Unverständnis zu stoßen. Ein paar Gedanken, die entlasten können:

Es macht keine Aussage über deinen Wert als Mensch. Eine angstvolle Erfahrung ist kein Urteil über dich, sondern ein Erleben unter extremen Bedingungen – körperlich wie seelisch.

Du bist damit nicht allein. Schätzungen in der Forschung gehen davon aus, dass ein relevanter Teil aller Nahtoderfahrungen angstvoll oder zumindest ambivalent verläuft – auch wenn darüber seltener gesprochen wird.

Der Körper kann nachträglich beruhigt werden. Auch wenn die Erfahrung selbst in der Vergangenheit liegt, kann das Nervensystem noch lange in Alarmbereitschaft bleiben. Sanfte Regulationsübungen – etwa bewusste Atmung, Erdungsübungen oder Tapping – helfen dabei, dem Körper langsam wieder zu signalisieren: Die Gefahr ist vorbei.

Das Gespräch mit einer einfühlsamen Person kann viel verändern. Ob Therapeutin, Seelsorger oder ein Mensch, der einfach zuhört, ohne zu bewerten – das Aussprechen nimmt der Erfahrung oft einen Teil ihrer Wucht.

Ein Perspektivwechsel

Vielleicht ist es hilfreich, angstvolle Nahtoderfahrungen nicht als Gegenteil der friedlichen zu verstehen, sondern als deren Geschwister: Beide entstehen in einem Ausnahmezustand, beide spiegeln etwas Zutiefst-Menschliches wider – nur eben aus unterschiedlichen inneren Ausgangspunkten heraus.

Wer eine solche Erfahrung gemacht hat, verdient dieselbe Ernsthaftigkeit und denselben Respekt wie jeder, der von Licht und Frieden berichtet.

Im nächsten Beitrag dieser Reihe schauen wir uns an, was Betroffene – ob ihre Erfahrung friedlich oder angstvoll war – rückblickend über Gott und einen höheren Sinn erzählen.

Home » Inspiration » Nahtoderfahrungen: Wenn sie negativ ablaufen

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