Dieser Text ist kein Bericht, keine Recherche und keine Beweisführung.
Es sind Eindrücke, die ich in meiner spirituellen Arbeit empfangen habe – als Anteilnahme an einem Schicksal, das viele Menschen tief berührt hat.
Hilal war ein freundliches Kind. Wahrscheinlich würde man sie als wohlerzogen bezeichnen. Sie war fremden Menschen gegenüber eher zurückhaltend und höflich. Aber zu Hause – da konnte sie frech sein und stur – eben ein ganz normales Kind.
An dem Tag, an dem sie ins Einkaufszentrum ging, um sich nur schnell etwas Süßes zu holen, begegnete sie einem Mann, den sie bereits kannte. Es war eine flüchtige Begegnung. Ein aus der Türkei stammender Mann, der nicht gut Deutsch sprach und Hilal um Hilfe bat. Sie kannte ihn als Kollege ihres Vaters – kein direkter Kollege, aber jemand, der mit jemandem befreundet ist – diese Art von oberflächlicher Bekanntschaft.
Der Mann wusste was er tat, denn ihm war Hilal schon an dem vorhergehenden Treffen aufgefallen. Er sprach sie gezielt an und bat sie um ihre Hilfe. Sie stimmte dem zu und folgte ihm zu seinem weißen Transporter. Bevor sie richtig verstand, was vor sich ging, zog er sie schon ins Innere des Fahrzeugs.
Der Mann war jemand, den man wohl als „freien Händler“ bezeichnen könnte. In seinem Transporter lagerten alle möglichen Haushaltsgegenstände, von Elektrogeräten, wie Mikrowellen bis hin zu Lampenschirmen. Er transportierte sie von Deutschland aus in die Türkei.
Tatsächlich kam er nach der Tat nicht mehr nach Deutschland zurück. Da das für ihn aber keineswegs ein ungewöhnliches Verhalten ist, ist es auch niemandem, den er in Deutschland kannte, negativ aufgefallen.
Er ist bereits an Krebs verstorben. Er lebte in der Türkei in ärmlichen Verhältnissen. Sein Transporter, in dem er Hilal entführte, steht tatsächlich noch auf einem verlassenen Innenhof, die verkäuflichen Teile ausgebaut, aber immer noch da.
Ein stummer Zeuge. Vielleicht sogar der einzige Zeuge in diesem Fall.




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